Mit Parodontitis verbinden viele eine mangelnde Mundhygiene. Doch das ist nur bedingt der Fall. Inzwischen weiß man, dass vor allem das Immunsystem eine wichtige Rolle bei Entzündungen des Zahnhalteapparates spielt: ist die Immunabwehr durch Stress, chronischer Erkrankungen oder mangelnder bzw. Fehlernährung geschwächt, haben die Erreger leichtes Spiel.
Parodontitis nennt man eine durch Bakterien hervorgerufene entzündliche Veränderung des den Zahn umgebenden Gewebes und des Kieferknochens. Zuerst setzen sich die Bakterien an den Zahnoberflächen fest. Werden die Schädlinge nicht durch das Immunsystem ausser Gefecht gesetzt, führen sie zu einer Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis) und dringen ins Zahnfleisch ein. Dadurch wird das Immunsystem aktiviert, welches die Erreger über eine Entzündung abwehren will. Das Zahnfleisch rötet sich, schwillt an und blutet. Zahnfleischbluten kann daher ein Zeichen für eine beginnende Parodontitis sein.
Weicht das Zahnfleisch zurück und löst sich vom Zahn, bilden sich Zahnfleischtaschen. Sie bieten den Bakterien einen noch besseren Schutz vor der täglichen Reinigung und bahnen sich den Weg zu Zahnhaltegewebe und Kieferknochen. Im schlimmsten Fall führt die Parodontitis zum Zahnverlust.
Die Bakterienarten, die eine Parodontitis hervorruft, kommen in geringer Menge in jeder Mundhöhle vor. Wie kommt es dann, dass bei dem einen die Erreger überhand nehmen und krank machen, während beim anderen nicht?
Aus Studien der zahnmedizinischen Forschung weiß man inzwischen, dass es vor allem an der individuellen Konstitution eines Menschen und dem Zustand seines Immunsystems liegt, ob diese Erkrankung ausbricht. Neben psychischem oder körperlichem Dauerstress schwächen auch andere chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf und Darmerkrankungen das Immunsystem.
Parodontitis kann auch durch unsere Lebensführung wie z.B. Ernährung beeinflusst werden.
Ob Parodontitis-Keime eine Chance haben, hängt von einigen Faktoren ab wie:
- Rauchen
Nikotin verengt die Gefäße im Bindegewebe, wodurch sich die Durchblutung im Zahnfleisch verschlechtert. Hier fehlen dann Sauerstoff und Nährstoffe. Die Immunabwehr ist so herabgesetzt und Schadstoffe des Tabaks aktivieren den Entzündungsprozess
- Übersäuerung
z.B. durch Fehlernährung oder mangelhafte Nährstoffaufnahme aus einem geschädigten Verdauungstrakt: in einem sauren Milieu ist die Entzündungsbereitschaft erhöht und die Wundheilungstendenz verschlechtert.
- Eiweißmast
Untersuchungen zeigen, das sich bei zu eiweißbetonter Ernährung überschüssiges tierisches Eiweiß im Bereich der Blutgefäße ablagert und diese verdickt. Dadurch wird die Stoffwechselaktivität im versorgten Gewebe reduziert, und die Abwehrleistung isst vermindert.
- Mangelernährung
trotz Überfluss – im Dschungel des heutigen Nahrungsmittelangebots an Fertigprodukten, Fast Food und gesundheitlich bedenklichen Zusatzstoffen wird das natürliche Gespür für die Bedürfnisse des Körpers an Baustoffen unterdrückt.
- unverträgliche Zahmaterialien
Metalle und Legierungen kommen als Ursache und Verstärker der Parodontitis in Frage.
Die dargestellten Zusammenhänge zeigen, dass eine zahnärztliche Säuberung der Zahnfleischtaschen als alleinige Therapie nicht ausreicht. Oberstes Ziel ist es, das Immunsystem und damit die Selbstheilungskräfte zu stärken. Dies gelingt am besten durch Zusammenarbeit des Zahnarztes mit Co-Therapeuten aus dem Bereich der Naturheilkunde und Ernährung.